Computerprogramm, metasprachliches Zeicheninventar, Textstruktur, Handlungsschema – auch unbewusstes Programm, dem Menschen kulturell oder politisch folgen: ein Script, als Muster begriffen, das ordnet und hierarchisiert, legt Rollen und Standards fest, bestimmt, was sichtbar ist und was unsichtbar bleibt. Scripts als gesellschaftliche Normierung verstanden, reproduzieren soziale Ungleichheiten, koloniale Strukturen und marktwirtschaftliche Wertesysteme. Welche Möglichkeiten eröffnen sich, wenn wir die Scripts, die wiederholt Krisen und Katastrophen hervorbringen, hinter uns lassen – oder aktiv verlernen? Welche Perspektiven könnten wir gewinnen, wenn wir uns auf Denk- und Handlungsansätze einlassen, die statt binärer Logiken ein breites Spektrum relationaler Verbindungen berücksichtigen? Wie Computerprogramme können auch soziale Vorschriften modifiziert, überschrieben und ständig neu verhandelt werden. Zeile für Zeile, Code für Code, Muster für Muster. So gesehen erscheinen diese nicht länger von einer unbekannten externen Instanz festgelegt, sondern entstehen aus kollektiven Praktiken im Inneren sozialer Felder, wodurch sie formbar bleiben.

(Re-)Writing Scripts #1
20. März 2026, 18 Uhr

Oscar Cueto — Entwurf für kein Museum
Eröffnung, 21. April 2026
Ausstellung, 22. April – 22. Mai 2026

(Re-)Writing Scripts #2 | Christian Ghazi, Hundred Faces for a Single Day (1972)
Filmvorführung und Gespräch auf Einladung von Huda Takriti
29. Mai 2026, 18 Uhr

Paula Bruna Pérez — Jaleo Forestal
Eröffnung, 9. Juni 2026, 18 Uhr
Ausstellung, 10. Juni – 31. Juli 2026

(Re-)Writing Scripts #3 | Mohamed Abdelkarim
Filmvorführung und Gespräch
9. Oktober 2026, 18 Uhr

[Ominous Music Playing] — Gruppenausstellung, kuratiert von Abbey IT-A
Eröffnung, 20. Oktober 2026, 18 Uhr
Ausstellung, 21. Oktober – 4. Dezember 2026

(Re-)Writing Scripts #4
11. Dezember 2026, 18 Uhr

Das Jahresprogramm 2026 widmet sich nach den Themen Host (2024) und Glitch (2025) dem Phänomen des Scripts und den Möglichkeiten, dieses zu überschreiben: Script. Einmal mehr möchten wir jene Räume und Nischen ausloten, die es uns erlauben, eine andere, gerechtere Welt auszumachen, auch wenn deren Realisierung in weiter Ferne liegt, wenn nicht zunehmend unerreichbar erscheint. Unter der Prämisse, von globalen Mehrheiten zu lernen, laden wir Künstler*innen, Kurator*innen und künstlerische Kollektive ein, jene unsichtbaren Drehbücher zu hinterfragen, die vorgeben, wie wir über die Welt zu denken haben. Wir setzen dabei bewusst auf den Begriff „Mehrheiten“, in der Mehrzahl geschrieben. Denn es gibt nicht die eine globale Mehrheit, sondern viele Mehrheiten, die sich je nach Perspektive, Kontext und Machtverhältnissen unterschiedlich formieren. Was jedoch konstant bleibt, ist, dass jene Kräfte, die die Welt heute maßgeblich gestalten – kolonialistische Machthaber, ökonomische Eliten, Träger symbolischer Dominanz – selten Teil dieser Mehrheiten sind, sondern häufig aus der Unterzahl heraus agieren. Paradoxerweise liegt gerade darin ihre Stärke: Sie bündeln Ressourcen, kontrollieren Zugänge und programmieren die Erzählungen, die den Blick auf die Welt prägen. Aus dieser Position heraus bestimmen sie, welche Scripts gelten und welche nicht. In der Umkehrung von Blickrichtungen ist daher das transformative Potenzial von Scripts zu finden: Der Fokus liegt nun auf Pluralität statt Vereinheitlichung und auf diversen Erzählungen statt einem dominanten Narrativ. Dieses Verständnis erinnert daran, dass Gerechtigkeit nicht aus einer Stimme entsteht, sondern aus der Vielstimmigkeit: dem Script der globalen Vielheiten.

 
 
Künstlerische Forschung

Der Kunstraum Lakeside widmet sich jährlich einem spezifischen Thema, das aus den institutionellen Besonderheiten dieses Ausstellungs-, Performance- und Diskursraums hervorgeht. Die Anbindung an einen Wissenschafts- und Technologiepark sowie die Verknüpfung des Veranstaltungs- mit dem Semesterprogramm der Universität Klagenfurt wirft Fragen danach auf, wie bildende Künstler*innen heute die Grundlagen, Möglichkeiten und Grenzen von Wissensproduktion ausloten. Das Programm konzentriert sich auf Handlungsfelder, die mit dem Begriff der „künstlerischen Forschung“ zusammengefasst werden. Künstlerische Forschung ermöglicht, wie Kunst ganz allgemein, ästhetische Erfahrung. Zusätzlich räumt sie aber auch die Möglichkeit ein, innerhalb der jeweiligen Kunstpraxis – das heißt innerhalb der eigenen Medien, Formate und Darstellungsformen – über die Rahmenbedingungen des eigenen Tuns nachzudenken und das eigene Handeln im Blickfeld zu behalten. Eingebettet in soziale, historische und kulturelle Bedeutungszusammenhänge erlaubt sie folglich, auf die sich permanent verändernden Gegebenheiten unserer Gesellschaft zu reagieren.

Ausstellungen 2018 — Recherche
Ausstellungen 2019 — Prozess
Ausstellungen 2020 — Format

Ausstellungen 2021 — Vollendete Zukunft
Ausstellungen 2022 — Beziehungsweisen
Ausstellungen 2023 — Doppelter Boden

Ausstellungen 2024 — Host
Ausstellungen 2025 — Glitch
Ausstellungen 2026 — Script