Eröffnung, 20. Oktober 2026, 18 Uhr
Ausstellung, 21. Oktober – 4. Dezember 2026
Werke von Eric Gyamfi, Abbey IT-A, kąrî’ kạchä seid’ōu
Unter dem Titel [Ominous Music Playing] versammelt der Künstlerkurator Abbey IT-A Werke von Künstler*innen, die über Erzählweisen, Zeit und kulturelles Gedächtnis mit den Mitteln des Bewegtbilds nachdenken. Die Ausstellung versteht sich als bewusste Verschiebung der Wahrnehmung: vom vorherrschenden Medium der Malerei hin zu einem polyphonen Geflecht aus Poesie, Künstlicher Intelligenz oder Fotografie; von (eigener) Repräsentation hin zu Selbsterhaltung im Spannungsfeld digitaler Bildproduktion und -zirkulation; vom Selbstverständnis Europas als intellektueller Mittelpunkt zu einem der vielen künstlerischen Zentren Afrikas – Ghana; und nicht zuletzt von den simplen Verführungen eindimensionaler Rhetorik und Repräsentation zur Gegenerzählung. [Ominous Music Playing] bringt Stimmen und Bilder in den Kunstraum Lakeside, die an den vermeintlichen Peripherien – nicht an den Rändern an sich, sondern jenseits eines begrenzten Blickfelds – zirkulieren, und führt vor, dass genau dort neue [fortwährend] ästhetische und intellektuelle Impulse entstehen. Das Script dient hier als Schlüsselbegriff. Es meint nicht nur das filmische Drehbuch, sondern auch musikalische Notation und literarische Annotation, eine partiturartige Struktur, in der sich Sehen, Hören und Denken verschränken. Diese Offenheit bietet Möglichkeit und Raum, Geschichte umzuschreiben, zu überlagern und neu zu rhythmisieren. Die Ausstellung fungiert als Resonanzraum. In der Begegnung von Klang, Bild und Text entspannt sich ein Dialog zwischen Disziplinen, Generationen und geografischen Räumen, ein poetisches wie politisches Umschreiben von Skripten, über dem die Frage steht, wie wir die Welt hören [erhören] und sehen [gemeinsam bewohnen] – und wie wir sie erinnern wollen. Darüber hinaus verlangt die Schau nach einer Reflexion über die Sichtbarkeit von Machtstrukturen und die darin eingebetteten Narrative. Wie wirken sich ökonomische, kulturelle oder technologische Kräfte auf Formen der Darstellung aus? Die Vielstimmigkeit wird zu einer kritischen, zugleich sinnlichen Erfahrung, bei der sich Besucher*innen aktiv in die Konstitution von Bedeutung und Erinnerung einbringen können.
In diesem Resonanzraum sind drei Arbeiten im Kunstraum Lakeside zu sehen: Shadows are Telegrams Awaiting Reply: 30x30x30… (2017) ist ein 30-strophiges Gedicht von kąrî’ kạchä seid’ōu, das sich kritisch und satirisch mit Rassismus, Schwarzer Identität, der Wahrnehmung des Selbst durch die Augen anderer sowie historischen Machtverhältnissen auseinandersetzt. Die modularen Strophen fungieren als bewegliche Bausteine und laden die Betrachtenden dazu ein, Perspektiven und Bedeutungen neu anzuordnen. Mit Fixing Shadows – Julius and I (2023) präsentiert Eric Gyamfi eine persönliche Hommage an den Komponisten und Sänger Julius Eastman. Tausende Cyanotypien fügen sich zu Porträts beider Künstler zusammen und erzeugen fiktionale Wiederholungen ihrer Abbildungen. Die Arbeit verweist auf queere und Schwarze Formen künstlerischer Praxis und hinterfragt zugleich die Bedingungen analoger, digitaler und KI-basierter Bildproduktion. Abbey IT-A’s DIY: How to Murder Your Darlings in Your Mother’s Kitchen (2021) ist eine Vierkanal-Videoinstallation, in der eine schattenhafte Figur Rituale der Haar- und Hautpflege vollzieht. Zwischen Fürsorge und Gewalt oszillierend, untersucht die Arbeit Schwarze Repräsentation, Zeitlichkeit und Identität und setzt diese in Beziehung zu den beschleunigten und stark stilisierten visuellen Ästhetiken sozialer Medien. Alle drei Arbeiten operieren mit Momenten des Zeigens und Verbergens, des Wissens und des Erahnens. In der Gesamtschau eröffnen sie unterschiedliche Zugänge zu einer gemeinsamen Frage: Wie entstehen Bilder, Stimmen und Narrative – und wie können sie verändert, überschrieben oder neu zusammengesetzt werden?
Abbey IT-A (*1996 Ghana) lebt und arbeitet in Accra und Kumasi, Ghana.
www.itaabbey.com
